Cut – die Frage nach dem Schmerz

 

Schmerz.
Ein Gefühl. Eine Empfindung, die für Menschen wichtig ist. Ein jeher Instinkt von Gefahr und was ist für mich? Für mich? Für mich, die ich den Kopf gegen die Wand schlage, mir die Arme aufschneide? Für mich die ich Salz in meine Wunden streue?
Für mich ist Schmerz, das Gefühl lebendig zu sein, der Taubheit, dem toten Gefühl, für eine Sekunde meines Seins zu entrinnen.
Für mich ist Schmerz ein kranker Himmel, eine perverse Obsession, die ich bis in den Tod verfolge. Für mich ist Schmerz die Inkarnation all meiner Wünsche. Sie ist das Wort, sie ist der Schrei, sie ist die Hoffnung, die ich nie ausgesprochen habe.

Schmerz ist meine Art von Kunst.
Schmerz ist meine Art zu schreien.
Schmerz ist meine Art zu weinen.
Der Schmerz, die Wunden, das Pochen… all die Dinge die ich mir selbst zufüge.

Nun fragt ihr euch… Warum?
Warum.

Mein Sein war bestimmt von Schmerz, Vergewaltigung und Gewalt. Meine Kindheit war eine Hölle. Und ich schritt durch sie hindurch. Ich habe geschworen, mich niemals brechen zu lassen. Ich habe geschworen, zu leben und zu kämpfen.
Die Wahrheit ist die Gewalt hat mich abgetötet. Um zu überleben wurde ich stumpf und kalt. Ich vergrub meine Emotionen, verschloss mein Innerstes. Ich begrub mein fühlendes Selbst um zu überleben, um zu leben, zu existieren.
Stumpf. Verloren. Kalt.
Aber selbst Menschen wie ich, die bis zum letzten Nerv abgetötet sind, wollen, hin und wieder, fühlen. Ich will mich selbst wahrnehmen, aber mit meinen stumpfen Sinnen kann ich das nicht mehr.
Die Selbstverletzung, die Schmerzen, machen mich kurz lebendig, lassen mich fühlen und was in mir abgetötet, pulsiert.
Das ist der Grund. Ein kurzes Erleben. Ein Hoffnungsschimmer. Ein Feuer aus Schmerz.

Also ziehe sich die Klinge über meinen Körper.
Schlage den Kopf gegen die Wand.
Falle Treppen hinunter.
Nehme Drogen.
Fresse und kotze.
Reiße mir die Fingernägel hinaus.

Nur um mich zu fühlen. Nur für diesen einen, unsagbar schönen Moment. Ich gebe meinen Körper und meine kalte Seele für den Schmerz.
Und ihr, die ihr nicht betroffen seit und es nicht versteht, schüttelt den Kopf und lacht, vielleicht. Meine Intention ist verrückt. Mein Herz ist krank. Mein Körper ein Schlachtfeld und doch… es tut mir gut und ich lebe.

Nur das ist wichtig.